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Gesellschaft als RatgeberReichlich Stoff zum Diskutieren bei den StreifennadelnOffenbach, 23.06.2009 In den Räumen der Streifennadeln waren am Dienstag vor allem neugierige aber auch ein paar schüchterne Gesichter zu beobachten. Grund dafür war die gemeinsame Diskussion von Menschen aus unterschiedlichsten gesellschaftlichen Kontexten und Bereichen der Arbeitswelt: Zwanzig junge Frauen, die in berufsqualifizierenden Maßnahmen der startHAUS GmbH in den Projekten „Streifennadeln“ und „Musical“ eingebunden sind, tauschten sich mit Kunst- und Kulturschaffenden, Personalmanagerinnen und leitenden Mitarbeiterinnen der kommunalen Verwaltung aus. Für alle Beteiligten bot sich an diesem Tag die Möglichkeit, alltägliche Wahrnehmungs- und Erfahrungsgrenzen zu überwinden. Debattiert wurden brennende Fragen und Herausforderungen zu Ausbildungs- und Berufspraxis, persönliche Erfahrungen und Lebensgeschichten, nicht zuletzt in Bezug auf das Kopftuch in der Arbeitswelt. Der stellvertretende Geschäftsführer der StartHAUS GmbH Kadim Taş richtete einige begrüßende Worte an alle Teilnehmer und überließ danach die gegenseitige Vorstellung den Diskutierenden. Die beiden Projektgruppen empfingen Dr. Chantal Eschenfelder (Städelsches Kunstinstitut, Frankfurt), Alexander Brill (Theaterperipherie, Frankfurt), Aletta Gräfin von Hardenberg (Deutsche Bank), Katja Segelken (Deutsche Bank), Deniz Kezer (Schauspielerin, Offenbach), Edina Vucic (Journal Frankfurt), Angela Schwan (Jugendagentur, Offenbach) und Helga Nagel (Amt für multikulturelle Angelegenheiten, Frankfurt). Ein erstes vorsichtiges und anfänglich verhaltenes Kennenlernen fand dann in drei Diskussionsgruppen statt. Zunächst berichteten die jungen Frauen von ihren persönlichen Lebensgeschichten und (Berufs-)Erfahrungen. Hier wurde klar, wie sehr sich die einzelnen Situationen, Fähig- und Fertigkeiten, sowie Ziele und Wünsche der Frauen unterscheiden. Für einige Gäste war diese Vielfalt eine sichtliche Überraschung. So wurde schnell ein großer, gemeinsamer Nenner gefunden, den eine der jungen Schneiderinnen der Streifennadeln auf den Punkt brachte: „Alles ist lernbar“. Trotzdem erzürnten die Gäste einzelne Schilderungen von pauschalen Bewerbungsabsagen auf Grund des Kopftuches – denn „Qualifikationen zählen im Zweifelsfall weniger“. So wurde nachvollziehbar, dass sich die jungen Frauen eine aufrichtige Anerkennung individueller, beruflicher Werdegänge und einen offenen Umgang mit wichtigen Fragen, wie dem Kopftuch bei der Arbeit, wünschen. Die Profis aus der Geschäftswelt berichteten vielmehr, dass bei dieser Herausforderung häufig weniger die Kollegen und das Betriebsumfeld, sondern tatsächlich die Resonanz der Kunden und Geschäftspartner Grund für Konfliktsituationen darstellen. Dabei wurde allen Diskutierenden klar, dass diese Konflikte über die Arbeitswelt hinausreichen. Nicht allein die religiös-kulturelle Dimension des Kopftuchs sei zentral, sondern die der persönlichen Identitäten. Die „Kopftuch-Problematik“ stellte sich so als überlagert von anderen Fragen dar, wie dem Geschlechter-, Generationen- oder Religionsverhältnis. Für junge Menschen seien derlei Identitätsfragen nicht selten mit den Heraus- und Anforderungen des Arbeitsalltags verbunden, wie auch die meisten jungen Frauen bestätigen konnten. Hilfreiche und ganz praxisnahe Tipps der Ausbildungsprofis waren beispielsweise, sich über potentielle Arbeitgeber zu informieren, um dann bei Bewerbungen fundiert Eigeninitiative zeigen zu können und die eigenen Fähigkeiten präzise herauszustellen. Mit Engagement sei es immer möglich andere Defizite wettzumachen. Der Wunsch nach der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, religiöser Identität und Berufstätigkeit wurde als gemeinsamer Standpunkt unterstrichen. Die berufserfahrenen Gäste machten jedoch klar, dass es zur ganzheitlichen Beteiligung in der Arbeitswelt auch der allseitigen Kompromissfähigkeit bedarf. Hierin läge ein wesentlicher Schlüssel für die Verwirklichung von Zielen auf Basis der eigenen Fertigkeiten, Fähigkeiten und Identität. Die schillernden beruflichen Werdegänge der Gäste bezeugten, dass die Berufswahl durch viele Entscheidungen und Wege beeinflusst werden kann. Schließlich, so Helga Nagel, seien „die Berufswege verschlungen“ und hätten alle Merkmale eines Suchprozesses. Enttäuschungen könne man aber vorbeugen, wenn gesetzte Ziele (wie Ausbildungen, Praktika oder Schulabschlüsse) erreichbar seien und mit Nachdruck verfolgt würden. Die jungen Streifennadeln und Musical-Darstellerinnen bemerkten - ungeachtet aller lebensweltlichen Unterschiede - schnell einige Parallelen zu den geschilderten Erfahrungen und ihren eigenen Situationen. Das verdeutlichte allen in der Runde, dass man sich mit den persönlichen Herausforderungen und Problemen nicht allein glauben muss. |
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